Was Fischgräten mit der Milchproduktion zu tun haben

„Strukturwandel in der Landwirtschaft“ – dies konnte sich der Erdkundekurs der Q1 am Beispiel des Milchviehbetriebes Boltes anschauen.

Der familiäre 85ha große Hof liegt am Stadtrand, teils im Landschaftsschutzgebiet „Everstener Moor“. Das bringe allerdings auch besondere Beschränkungen für die Landwirtschaft mit sich, erzählt uns Tanja Boltes, die älteste von drei Töchtern der Boltes. Tanja und ihre Schwester haben sich dazu entschlossen, eine landwirtschaftliche Ausbildung zu absolvieren und den Familienbetrieb weiterzuführen.

Die 120 Milchkühe der Familie erwirtschaften eine Milchleistung von 9000 Kilogramm oder Litern Milch pro Jahr. Doch bevor eine Kuh Milch gibt, muss sie zuerst ein Kälbchen bekommen. Wenn die Kuh ein Bullenkalb gebärt, wird dieses weiterverkauft, Boltes behalten nur die weiblichen Kälber. Diese kommen zunächst in ein so genanntes Iglu – kleine Hütten für einzelne Kälber. Anschließend leben die Kälber in einem luftig großen Stall mit viel Stroh und Platz und vor allem mit Artgenossen – fast wie ein Kindergarten.

Beginnt eine Kuh das erste Mal Milch zu geben, wird sie fortan zweimal pro Tag – morgens und abends – gemolken. Die Kühe werden in den „Fischgrätenmelkstand“ getrieben, welcher seinen Namen der Anordnung der Kühe beim Melken zu verdanken hat. Wie an einer Fischgräte stehen links und rechts jeweils sechs Kühe mit dem Hinterteil zu einer Gasse, von der aus die jungen Landwirtinnen die Euter säubern, mit der Hand anmelken und schließlich den mit Vakuum arbeitenden Melkroboter an das Euter setzen. Nun läuft alles automatisch – der Roboter misst, wie viel Milch die Kuh gibt und stoppt das Melken, wenn die Milchleistung nach etwa acht Minuten schwächer wird. Nun können die nächsten sechs Kühe in den Melkstand kommen. So werden am Tag um die 30 Liter pro Kuh produziert.

Für den gesamten Aufwand bekommen die Erzeuger derzeit etwa 36 Cent für den Liter Milch von den Molkereien. Wird die Milch von der am Hof stehenden „Milchtankstelle“ gekauft, kostet der Liter einen Euro. Trotz finanzieller Engpässe und steigender Schwierigkeiten in diesem Beruf kann sich Tanja Boltes nicht vorstellen die Kühe aufzugeben, sondern bemüht sich, die Milchviehlandwirtschaft näher, transparenter und spannender zu gestalten. So sind sie und ihre Schwester seit 2017 auf „mykuhtube.de“ zu verfolgen und vermitteln dort ein genaueres Bild von ihrem Alltag mit den Kühen.

Lisa Andreas (Q1)

https://www.milchviehbetrieb-boltes.de/